.. schon wieder keine Dinosaurier!
Im Jahr 2005 beschrieb der polnische Forscher Sulej auf der Basis von Schädel- und Kieferresten eines großen Rauisuchiden eine neue
Teratosaurus Art namens
Teratosaurus silesiacus. Die Reste stammten aus Opole Silesia in Polen. Sulej hielt die neubenannte Art für so nahverwandt mit dem deutschen
Teratosaurus suevicus, dass er ihn als eine neue Art beschrieb und ihn dieser Gattung zuordnete. Jetzt kürzlich, hat der selbe Forscher, zusammen mit weiteren polnischen und amerikanischen Forschern dieses Tier neubeschrieben und ihn in eine eigene Gattung namens
Polonosuchus eingeordnet. Offenbar war das Material von
Teratosaurus suevicus, welches man mit dem des
Polonosuchus vergleichen konnte doch in einigen Punkten anders, so dass sich ein eigener Gattungsname empfohlen hatte. Ein weiterer Punkt, der eine mögliche Rolle gespielt hatte, dürfte die relative Unbekanntheit des
T.suevicus sein. Diese Gattung ist zwar von großer historischer Bedeutung, allerdings nur durch Kieferknochenbruchstücke so wie evtl. einem Illiumknochen der aber vielleicht von einem anderen Fundort stammte und nun als Rauisuchia ident. bezeichnet. Zähne die von einem großen räuberischen Archosaurier stammten und wie
Teratosaurus ebenfalls aus dem Mittleren Stubensandstein stammten könnten zu
Teratosaurus, aber auch zu einem völlig anderen Tier, vielleicht einem Theropoden stammen.
Teratosaurus, der etwa im Mittleren Norium lebte und damit jünger als
Polonosuchus ist, wurde selber lange Zeit für einen theropoden Dinosaurier gehalten. Erst Benton (1986) zeigte, dass er kein primitiver Dinosaurier sondern ein ganz anderer Typ von Archosaurier war.
Polonosuchus,
Teratosaurus sowie der amerikanische
Postosuchus waren eng miteinander verwandte, sehr große quadrupede Räuber, die etwa 4-6m lang werden konnten. Lange Zeit glaubte man, dass Tiere dieser Art früher oder später den Konkurrenzkampf gegen die theropoden Dinosaurier verloren hatte, doch dies ist heute eher zweifelhaft weil wahrscheinlich eher Umweltveränderungen den Aufstieg der Dinosaurier vorangetrieben hat. Zumindest waren diese Tiere noch lange Zeit Zeitgenossen der Dinosaurier und dürften diese auch gejagt haben.
Postosuchus und
Polonosuchus lebten, wie schon gesagt, früher als Teratosaurus und jagten offenbar auch eine andere Beute: Große Amphibien, Aetosaurier, Silesauriden sowie kleinere theropode Dinosaurier dürften auf den Speisezettel gestanden haben, auch große Dicynodonten wurden gejagt wobei diese Formen bislang nur zusammen mit
Postosuchus gefunden worden sind. Teratosaurus lebte Seite an Seite mit Aetosauriern, großen Amphibien, kleineren Sphenosuchiern sowie frühen sauropodomorphen Dinosauriern wie etwa
Sellosaurus (bzw.
Plateosaurus gracilis) und
Efraasia. Es ist denkbar, dass
Teratosaurus also auch große Dinosaurier erlegte. Zeitgleich mit
Teratosaurus lebte allerdings auch ein großer theropoder Dinosaurier namens
Dolichosuchus (
Liliensternus?). Vielleicht lebten beide in verschiedenen ökologischen Nischen und kamen sich so nicht in die Quere. Zähne die von Archosauriern stammten und daher vielleicht von Teratosaurus sind, wurden beispielsweise auch an Sauropodomorphen Skeletten nachgewiesen, daher hielt man früher die "Prosauropoden" für fleischfressende Theropoden weil man glaubte, dass die Zähne zum Skelett gehörten. Neben dem
Polonosuchus und dem
Teratosaurus gab es noch weitere Rauisuchia im triassischen Europa. Aus der Schweiz kennt man den primitiven
Ticinosuchus der bereits im Mittleren Trias lebte und sich verwandtschaftlich ausserhalb der dinosaurier-ähnlichen, schlank gebauten Poposauriden-Rauisuchia Gruppe und der schwergebauten Prestosuchiden Rauisuchia Gruppe befand (zu dieser Gruppe gehören
Teratosaurus,
Postosuchus und
Polonosuchus). Aus der Spättrias Englands kennt man den
Bromsgroveia, der vielleicht ein Rückensegel trug und evtl. mit dem aus dem Frühen Mitteltrias (Spättrias) Deutschlands bekannten
Ctenosauriscus verwandt war. Dies waren ungewöhnliche Tiere die, wenn der asiatische
Lotosaurus ebenfalls hier zu zählt, vielleicht pflanzenfressende, rückensegeltragende Rauisuchia waren. Denkbar ist aber auch, dass die Poposauriden waren, die mit dem großen
Arizonasaurus verwandt waren. Etwas weiter östlich als
Ctenosauriscus, lebte im Mitteltrias der schlank gebaute
Dongusuchus. Seine Reste kennt man aus Zentralrussland. Ebenfalls aus Russland stammt die Gattung
Energosuchus die man aus dem Norden des europäischen Russlands kennt und dort in der Mittleren Triaszeit lebte. Neben diesen beiden Gattungen kennt man aus Russland zusätzlich noch den
Jaikosuchus, den
Tsylmosuchus und den
Jushatyria. Über diese Formen findet man allerdings nicht viel, zumindestens nicht im Web. Sie sind oftmals nur anhand von Wirbelfunden beschrieben worden.
Tsylmosuchus ist allerdings durch wenigstens zwei Arten bekannt, durch
T.samariensis und
T.donensis möglicherweise existiert aber noch eine dritte Art. Die Gattungen
Vtsyhegdosuchus,
Dongusia und
Vjushkovisaurus runden das Bild der russischen Rauisuchia dann letztendlich ab. Last but not least sei der dubiose
Zanclodon erwähnt, den man vor allem aus dem Spättrias Deutschlands kennt und deren Reste wahrscheinlich zu allerhand anderen räubersichen Archosauriformen gehört. Besser bekannt als der
Zanclodon ist allerdings der riesige
Batrachotomus kuperzellensis der 6m lang wurde und die Mitteltrias Deutschlands unsicher machte. Fußspuren von Rauisuchiern mögen zu den Fährtentypen
Chirotherium und
Brachychirotherium gehören.
Leider muss ich mich nun wieder den Uni Sachen zuwenden, man könnte tatsächlich noch stundenlang etwas über die Rauisuchier schreiben, ... na vielleicht ein andermal.
LG
Quellen:
Brusatte, Stephen L.; Butler, Richard J.; Sulej, Tomasz; Niedźwiedzki, Grzegorz (2009). "The taxonomy and anatomy of rauisuchian archosaurs from the Late Triassic of Germany and Poland". Acta Palaeontologica Polonica 54 (2): 221–230.http://dml.cmnh.org/2008Sep/msg00164.html
http://www.dinosauria.com/dml/names/rau.htm