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Donnerstag, 8. April 2010

Archaeopteryx ein Nachtjäger?

Mit einer der bekanntesten Bewohner der deutschen Jurazeit dürfte der "Urvogel" Archaeopteryx sein. Etliche Skelettreste sind von diesem Tier bekannt und seit seiner Entdeckung im Jahr 1861 wurde etliche Kontroversen über dieses Tier geführt. Wirklich Ruhe kehrte nie um Archaeopteryx ein. Für neuen Diskussionsstoff dürfte die Studie des Forschers Lars Schmitz (University of California, Davis) sorgen. Schmitz untersuchte die Schädelanatomie von 77 Vogelarten und kam zu dem Schluss, dass bestimmte Größe, nämlich Diameter Größe des inneren und äußeren Scleral Ringes (Ein Knochenring der die Pupillen umgibt) sowie die Tiefe der Augenhöhlen Auskunft darüber gibt wann der jeweilige Vogel am aktivsten ist.Weite Scleral Ringe und tiefe Augenhöhlen sprechen für eine nachtaktive Lebensweise und genau dieses Merkmal hat offenbar auch der Archaeopteryx. Der Urvogel könnte also ein nachtaktives Lebewesen gewesen sein, vielleicht gerade deswegen um nicht in Konkurrenz mit den anderen Carnivoren (Pterosaurier, andere Theropoden) zu stehen die in seinem Lebensraum lebten.

Mehr dazu:

http://www.newscientist.com/article/mg20627545.500-archaeopteryx-may-have-hunted-at-night.html

Donnerstag, 12. November 2009

Neue Taxa

Diesmal gibt es einen Rundumschlag: Ein neuer Pterosaurier, ein neuer Vogel und ein neuer Sauropodmorpha Dinosaurier wurden in dieser Woche präsentiert. Beginnen wir zunächst mit dem Pterosaurier und dem Vogel. Beide stammen aus der frühen Kreidezeit Chinas. Der Flugsaurier ist eine kleine, relativ primitive Form mit einem langen Schwanz die auf den Namen Wukongopterus lii getauft wurde. Das komplette Skelett zeigt interessante Taphonomien, so war einer seiner Beinknochen zu Lebzeiten gebrochen. Der andere Flieger ist ein gezähnter Vogel namens Jianchangornis microdonta. Die Form ist durch das Skelett eines Subadulten Tieres bekannt. Die Anatomie des Tieres zeigt, dass Jianchangornis ein guter Flieger war und der Mageninhalt deutet auf Fisch als Hauptnahrung hin. Die Funde dieser Woche rundet der Aardonyx celestea ab. Aardonyx lebte im frühen Jura Südafrika und war ein bipeder Sauropodomorphe der mit den echten Sauropoden und den Melanorosauriden verwandt war. Tiere aus diesem Bereich des Sauropodomorpha Stammbaumes haben gemeinhin die Quadrupedie als gemeinsames Merkmal, nicht aber der Aardonyx, er war ein reiner Zweibeiner.

Montag, 12. Oktober 2009

Ältester Federträger

Fans des Archaeopteryx müssen nun tapfer sein. Der über alles beliebte "Urvogel" aus Bayern ist nicht mehr der älteste bekannte Federträger. Ein kleiner, aus der chinesischen Tiaojishan Formation stammender Dinosaurier war zweifelsfrei gefiedert und lebte einige Millionen Jahre früher als der "Archie" nämlich im so genannten "Oxford". Über Anchiornis habe ich schon einen kleinen Artikel verfasst, dass er aber älter als der Archaeopteryx war wurde erst kürzlich auf dem SVP Meeting in Bristol veröffentlicht. Was neben seinem Alter so besonders ist, ist seine sehr geringe Größe und seine Verwandtschaftliche Beziehung zu anderen Dinosauriern. Der Anchiornis war kein "echter" Vogel, dafür aber ein Troodontid, einer Familie von Theropoden die eng mit den Vögeln verwandt waren. Interesssant ist, dass eine solche systematische Position auch schon einmal für Archaeopteryx vorgeschlagen worden ist. Insgesamt sind von diesem etwa 35cm langem Tier zwei Skelette bekannt.

Donnerstag, 17. September 2009

So viel zu schreiben, doch sooo wenig Zeit

Leider habe ich sehr wenig Zeit um zu posten, doch die neuen vier Dinosaurier will ich euch nicht vorenthalten: Wir haben einen neuen Ornithischier, Abalophosaurus yamaguchiorum aus der Frühkreide Japans. Das Tier ist zwar ohne Zweifel ein valider Genus aber seine Reste sind zu dürftig um das Tier genau zu bestimmen. Abalophosaurus war evtl. ein primitiver Ceratopsier. Ebenfalls aus Asien stammt ein neuer kleiner Tyrannosaurier namens Raptorex kriegsteini. Der Gattungsname ist in meinen Augen so blöd wie der Speziesname gut ist, hinter diesem steckt ein wundervolle Geschichte, die es wert wäre hier ausgebreitet zu werden. Aber leider habe ich keine Zeit. Raptorex war ein kleiner, etwa 2,5m langer Dinosaurier aus der Frühkreide Chinas. Bleiben wir in Asien und schauen uns einen kleinen Laufvogel namens Hollanda luceria kurz an. Dieser spätkreidezeitliche Vogel stammt vermutlich von baumbewohnenden Formen ab. Eine weitere Verbindung zu Asien trägt vielleicht der Spinotrophosaurus nigeriensis in sich. Dieser Sauropode stammt aus dem Niger und trägt, ähnlich wie der chinesische Shunosaurus Schwanzstacheln, aber keine Schwanzkeule wie dieser. Spinotrophosaurus lebte sehr wahrscheinlich im Mitteljura, könnte aber auch eine frühjurassische Form gewesen sein. Auf jeden Fall ist er primitiver als der Shunosaurus.
Soo ein kleiner Kurzbericht, aus Zeitgründen keine Quellenangabe.

Donnerstag, 3. September 2009

Neues aus der Paläontologie

So,
das schlimmste habe ich überstanden, habe meine Prüfung bestanden und brauche nun nur noch eine Hausarbeit zu schreiben. So, jetzt habe ich ein wenig Zeit für den Blog. Was gibt es neues? Vieles, aber heute nehme ich mir nur einmal zwei Neuigkeiten vor. Beginnen wir mit einer neuen Spezies, dem Sapeornis angustis. Dieser kleine primitive Vogel lebte in der Frühen Kreide Chinas und wurde in der Provinz Liaoning (Jiufotang Fm.) gefunden. S.angustidens war kleiner als die Typspezies S.chaoyangensis und dokumentiert die Evolution und die dadurch beginnende Differenzierung der "Urvögel" innerhalb ihrer Entwicklung. Von den kleinen kommen wir nun zu den großen Theropoden. Spätjurazeitliches Gestein aus Marokko hat uns die Spuren eines sehr großen Theropodens offenbart. Der größte Abdruck mißt, wenn ich meinen schwachen Spanisch Kenntnissen glauben darf, etwa 80cm von der Zehenspitze bis zum anderen Ende des Fußes. Das ist enorm und schraubt den Urheber in die Tyrannosaurus Größenklasse. Offenbar lebte im Spätjura Nordafrikas zumindest ein sehr großer Theropode. Interessanterweise sind schon aus dem marokkanischen Mitteljura Spuren eines gigantischen Sauropoden bekannt, der laut einigen Schätzungen etwa 48m lang gewesen sein soll. Hoffen wir mal das in einiger Zeit auch einmal die Knochen eines solchen Riesen gefunden werden.

Quellen:

Boutakiout, M., Hadri, M., Nouri, J., Díaz-Martínez, I. & Pérez-Lorente,
F. 2009. /Rastrilladas de icnitas terópodas gigantes del Jurásico Superior (Sinclinal de Iouaridène, Marruecos). Revista Española de Paleontología/, 24 (1), 31-46

Pauline PROVINI, ZHOU Zhong-He, ZHANG Fu-Cheng,A NEW SPECIES OF THE BASAL BIRD SAPEORNIS FROM THE EARLY CRETACEOUS OF LIAONING, CHINA. Vertebrata PalAsiatica.2009;47(3), 194-207

Mittwoch, 22. Juli 2009

Uni-Stress, Neue Paper & Projekte für die Zukunft

Hallo!
Nach dem der Blog vor einiger Zeit etwas häufiger aktualisiert wurde, stagniert es im Moment ein wenig. Das bedeutet aber nicht, dass ich den Blog vergessen habe, daher poste ich hier ein kleines Lebenszeichen. Die Universität hat mich in der letzten Semesterwochen doch ein wenig vereinnahmt. Aber es gibt einige Neuigkeiten aus der Welt der (mesozoischen Wirbeltier-)paläontologie. Durch Zufall entdeckt ich ein neues Paper über den ungarischen Nodosauriden Hungarosaurus tormai. Leider ist dieses Paper nicht frei verfügbar, ich konnte also nur den Abstract lesen. Offenbar gibt es zusätzlich zu den recht zahlreichen Teilresten neue Überreste die zu dem nun fünften bekannten Exemplar dieser Gattung gehören. Hungarosaurus ist nun auch durch Reste eines Jungtieres bekannt. Nun können dank der Überreste von Alttieren die Entwicklung der Schädelverzierung vom Jung- zum Alttier rekonstruiert werden. Ferner kann man an der Beinanatomie erkennen, dass Hungarosaurus eine für Ankylosaurier ungewöhnliche Beinproportion aufweist. Also dieses Paper dürfte vor allem für in Ankylosaurier interessierte ein Muß sein. Ebenfalls ein Muss, aber mehr für die Dinosaurierspurenfans sind zwei Paper über die Taxonomie von Ichnogenera aus der chinesischen Früh- und Spätkreide. In dem einen Paper werden verschiedene Abdrücke vorgestellt die von iguanodonten bzw. hadrosauriden Dinosauriern stammen die im Nanxiong Basin (Zhutian Fm.) entdeckt wurden im anderen geht es um Abdrücke aus der berühmten frühkreidezeitliche Yixian Formation. Von hier kennt man eine Vielzahl kleiner gefiederter Dinosaurier bzw. Vögel. Die von dort beschriebenen Abdrücke könnten evtl. von Formen wie den dort gefundenen Caudipteryx stammen.
Die nächsten Postings, zu anderen Themen, kommen aber bestimmt bald.

Quellen:

Hungarosaurus tormai

Yixian Spuren

Zhutian Spuren

Freitag, 10. Juli 2009

Neuer Urvogel: Zhongjianornis



Wie man unschwer am Namen erkennen kann, wurde ein neuer Urvogel aus China beschrieben. Wie die meisten anderen "Urvögel" Chinas stammt er aus der Provinz Liaoning und zwar aus der Jiufotang Formation. Er war demnach also ein Tier aus der Frühkreide. Das besondere an Zhongjianornis yangi ist sein Kiefer. Er besitzt keine Zähne, was man eigentlich als ein modernes Merkmal werten müsste wenn der Zhongjianornis nicht primitiver als der bezahnte Confuciusornis oder die beiden großen Vogel Hauptgruppen, die Enantiornithes und die Ornithurae wäre. Zhongjianornis als einer der frühesten bekannten zahnlosen Vögel, ist ein Hinweis darauf, wie stark schon die Diversivität unter den frühen Vogelgattungen war. Seine Anatomie deutet zudem darauf hin, dass er ähnlich wie der Confuciusornis oder andere primitve Formen eine andere Art des Fliegens beherrschte. Neben diesen neuen Taxon gibt es noch einige Information betreffend europäischer Dinosaurier doch dazu poste ich beim nächsten Mal etwas.


Quelle: Zhou, Z., F. Zhang & Z. Li. 2009. A new Lower Cretaceous bird from China and
tooth reduction in early avian evolution. Proc. R. Soc. B published online
before print July 8, 2009, doi:10.1098/rspb.2009.0885

Mittwoch, 17. Juni 2009

Neuigkeiten

Eine ganze Reihe neuer Dinosauriernamen wurden in den letzten Tagen veröffentlicht. Zu den neuen Formen gehört ein neuer lambeosauriner Hadrosauride aus der Spätkreide (Campan) von Texas. Das Tier scheint eine interessante Kautechnik besessen zu haben und wurde Angulomastacator daviesi genannt. Auch neu ist eine weitere Psittacosaurus Art aus der Inneren Mongolei. Sie trägt den Namen Psittacosaurus gobiensis und dürfte die wohl dreißigste Art dieser Gattung sein. Fraglich ob die Gattung Psittacosaurus wirklich so viele Arten hatte. Psittacosaurus lebte im frühkreidezeitlichen China, ebenfalls aus China stammt der Rapaxavis pani. Dieser neue Urvogel mit den etwas martialischen Namen „Räuberischer“ oder „Reissender Vogel“ stammt aus Liaoning. Von dort stammt ein Großteil der chinesischen Urvögel. Der wohl interessanteste Fund aus diesen Tagen stammt ebenfalls aus China. Es handelt sich um den Pflanzen fressenden, mit einem Schnabel versehenen Dinosaurier Limusaurus inextricabilis aus dem Spätjura. Ein Pflanzen fressender Dinosaurier mit Schnabel ist generell nichts besonders außer wenn dieser Dinosaurier aus der Gruppe der generell als Fleischfresser bekannten Ceratosaurier stammt. Limusaurus zeigt mit einem Schlag wie variantenreich auch diese Theropodengruppe sein konnte. Bislang galten die Ceratosaurier, anders als die Tetanurae, aus der man bereits Pflanzen fressende Formen kannte, als sehr orthodoxe Gruppe von Theropoden. Limusaurus war zahnlos, hatte eben, wie schon erwähnt wurde einen Schnabel und bietet eine interessante Sicht auf die Handanatomie der Theropoda. Bislang dachte man, dass die Theropoden in ihrer Entwicklung die zwei äußeren Finger nach und nach verloren hatten (von 5 Fingern zu 3). Anhand von Vogelembryos kann man aber sehen, dass die Vögel in ihrer Entwicklung wohl einen inneren und ein äußeren Finger verloren haben. Limusaurus hatte in seiner Entwicklung den ersten Finger reduziert und den zweiten vergrößert. Der Limusaurus dürfte äußerlich an einen Alvarezsauriden erinnert haben.

Neben dieser interessanten Entdeckung aus China dürfte aber nicht der neue basale, aber nicht beschreibbare Tetanurae Theropode aus der englischen Frühkreide erwähnt werden. Die Form kann nicht beschrieben werden weil seine Reste zu unvollständig ist. Auch unvollständig und daher nicht weiter benannt wurde ein frühkreidezeitlicher Vogel aus Australien. Das Tier aus dem Apt ist der früheste bekannte Vogel Gondwanas. Ebenfalls neu ist Dromomeron gregorii, eine neue Art des spättriassischen Dinosauromorpha Gattung Dromomeron.

Dieses Posting ist dem Amydino gewidmet, Knutsch an meinen Schatz

Literatur:

Xing Xu et al, 2009. A Jurassic ceratosaur from China helps clarify avian digital homologies. Nature 459:940. doi:10.1038/nature08124

Hindlimb osteology and distribution of basal dinosauromorphs from the Late Triassic of North America. Sterling J. Nesbitt, Randall B. Irmis, William G. Parker, Nathan D. Smith, Alan H. Turner, and Timothy Rowe pp. 498-516

Anatomy of the Early Cretaceous bird Rapaxavis pani, a new species from Liaoning Province, China. Eric M. Morschhauser, David J. Varricchio, Gao Chunling, Liu Jinyuan, Wang Xuri, Cheng Xiadong, and Meng Qingjin pp. 545-554

An enigmatic new lambeosaurine hadrosaur (Reptilia: Dinosauria) from the Upper Shale Member of the Campanian Aguja Formation of Trans-Pecos, Texas. Jonathan R. Wagner and Thomas M. Lehman pp. 605-611

A new large basal tetanuran (Dinosauria: Theropoda) from the Wessex Formation (Barremian) of the Isle of Wight, England. Roger B. J. Benson, Stephen L. Brusatte, Stephen Hutt, and Darren Naish pp. 612-615

Earliest Gondwanan bird from the Cretaceous of southeastern Australia. Roger A. Close, Patricia Vickers-Rich, Peter Trusler, Luis M. Chiappe, Jingmai O'Connor, Thomas H. Rich, Lesley Kool, and Patricia Komarower pp. 616-619

Sereno, P.C., Zhao X. & Tan L., 2009. A new psittacosaur from Inner Mongolia and the parrot-like structure and function of the psittacosaur skull. Proceedings of the Royal Society B, in press.